Fast genau sechs Jahren ist es her, dass das [a:ka] in Göttingen erstmals öffentlich unter dem Motto „Solidarität mit Israel“ auftrat, und die Reaktionen auf die gleichnamige Kundgebung belegten eindrucksvoll die Ablehnung und die Ressentiments, mit denen weite Teile der Linken allem begegnen, was mit Israel zu tun hat. Wenn ich die Israelsolidarität hier also noch einmal von Grund auf erläutern soll, dann bietet sich diese erste, kleine Kundgebung als Ausgangspunkt an – allerdings nicht die Kundgebung für sich genommen, sondern die Kundgebung zusammen mit dem gesellschaftlichen Klima, in dem sie stattfand. Es war, wie gesagt, im April 2002; die Al-Aksa- Intifada erreichte gerade ihren traurigen Gipfel – innerhalb von 60 Tagen ermordeten palästinensische Selbstmord-Attentäter mehr als 100 israelische Zivilisten – Juden wie Araber.
Um die Anschläge einzudämmen, ging die israelische Armee, die IDF, im Westjordanland gegen die Terrorgruppen vor; am 9. April kam es zu heftigen Kämpfen in der Stadt Dschenin, deren Zentrum in weiten Teilen zerstört wurde. Unmittelbar nach der Schlacht setzte dann die Autonomiebehörde Fotos der Trümmerlandschaft für eine Propagandaoffensive ein: Die IDF habe in Dschenin ein Massaker angerichtet, hieß es; über 900 Zivilisten seien regelrecht abgeschlachtet worden. Das war gelogen: Monate später veröffentlichten die UN einen Bericht, wonach Dschenin durch die Kriegshandlungen beider Seiten zerstört wurde, von Massenmord war keine Rede. Letztlich starben in Dschenin 23 Soldaten der IDF; auf Seiten der Palästinenser gab es 52 Tote, von denen der Bericht 30 als Kombattanten einstufte; 22 als Zivilisten. Diese Zahlen entlarvten das „Massaker von Dschenin“ als Produkt einer Fantasie, die Israel selbst für solche Gräueltaten verantwortlich macht, die überhaupt nicht stattgefunden haben; der Schaden für Israel aber war in der Welt. In Deutschland entstand Mitte April eine Volksfront, die von Nazis über die Mainstream-Medien bis zu den Antiimps reichte und eine anti-israelische Hetze entfachte, wie man sie seit den 80er Jahren nicht mehr erlebt hatte. Ex-Minister Norbert Blüm faselte von einem „hemmungslosen Vernichtungskrieg“, dem die Palästinenser ausgesetzt seien – Ariel Sharon? Schlimmer als Hitler! Der Vernichtungskrieg der Wehrmacht war wenigstens nicht „hemmungslos“! FDP-Hausantisemit Jürgen W. Möllemann setzte noch einen drauf und verteidigte direkt den Judenmord: „Ich würde mich auch wehren, und zwar mit Gewalt,“ sagte er der taz, „und ich würde das nicht nur im eigenen Land tun, sondern auch im Land des Aggressors“ – das klang, als wähnte er sich in seinen Träumen bereits mit einem Bombengürtel in einem Café in Tel Aviv.
(mehr…)
