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Texte

Zur Kritik der Religion – Referat des [a:ka] auf der Veranstaltung zu Religions- und Atheismuskritik am 13. September 2011

„Gott ist tot“, schreibt Nietzsche in der Fröhlichen Wissenschaft, und hält auch eine Reanimation für ausgeschlossen: „Gott bleibt tot“, fügt er hinzu. Das war 1882, und es klingt nach einem Schlussstrich. Man könnte fragen, was bleibt zu tun für die Religionskritik, wenn ihr Gegenstand seit 130 Jahren erledigt ist? Oder umgekehrt: Wenn der Gegenstand nicht erledigt ist, was ist dann dran an Nietzsches Behauptung? Mit diesen Fragen ist das Problem benannt, mit dem sich Religionskritik heute beschäftigen muss: Ihr Gegenstand ist nämlich keineswegs erledigt, doch das ändert nichts daran, dass Nietzsche recht hatte. Die Religion lebt, aber Gott bleibt tot.

Um diesen Widerspruch aufzulösen, muss man erst einmal verstehen, was einen toten Gott überhaupt von einem lebenden unterscheidet. Denn es ist ja niemand gestorben, schon gar nicht der Herr über den Himmel und die Erde. Und doch beschreibt die Todesmetapher einen realen Vorgang – allerdings keinen übersinnlichen, sondern einen gesellschaftlichen: Gott war lebendig als eine Vorstellung von der Welt, die zwar nur in den Köpfen der Menschen existierte, als solche aber reale Gewalt hatte über die Gesellschaft.

Er starb, weil das Weltbild und als das Weltbild, das ihn zum Zentrum hatte, mit einer sich verändernden Wirklichkeit in Konflikt geriet und schließlich nicht mehr zu halten war. Lebendig war Gott, solange der Glaube an ihn mit der Erfahrungs- und Gedankenwelt der Gläubigen in Einklang zu bringen war; tot ist er, weil Erfahrung und Denken in der Neuzeit den Glaubensrahmen sprengten, den die christliche Lehre zusammenhielt.
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Die fabelhafte Welt der Antifa Teheran

Göttingen, die Hauptstadt des linken Provinzavantgardismus, am 8.März 2010. Ein gutes Zeichen, möchte man meinen, wenn an diesem Tag, dem internationalen Frauenkampftag, Menschen sich zusammenfinden, um den unterdrückten Frauen im Iran ihre Solidarität auszudrücken. Denn es rumorte und rumort kräftig im Iran, und all jene, die schon genug unter der repressiven Herrschaft des islamischen Regimes leiden, finden sich in einer unterstützenswerten Oppositionbewegung zusammen. Es erschien, als habe die Kreativabteilung des örtlichen UmsGanze-Ablegers, also der Gruppen redical[m] und Gegenstrom, gute Arbeit geleistet.
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The right to offend

Am Abend des 1. Januars wäre der dänische Karikaturist Kurt Westergaard um ein Haar einem Mordanschlag zum Opfer gefallen. Ein Attentäter war in sein Haus eingedrungen und hatte ihn mit einer Axt und einem Messer angegriffen. Westergaard und seiner fünfjährigen Enkeltochter gelang es gerade noch, sich im Badezimmer zu verbarrikadieren und die Polizei zu verständigen – die Beamten mussten den Angreifer erst niederschießen, bevor sie ihn festnehmen konnten.
Vieles spricht offenbar dafür, dass der verhinderte Mörder kein gestörter Einzeltäter ist, sondern aus politischen Motiven und mit Unterstützung aus dem al-Qaida-Umfeld handelte: Westergaard ist der Urheber einer jener Mohammed-Karikaturen aus der Jyllands-Posten, die vor vier Jahren zu einem Aufruhr unter Islamisten führten; der 28-jährige Attentäter ist ein Islamist aus Somalia und hatte mutmaßlich engen Kontakt zum dortigen al-Qaida-Ableger.
Es ist wenig verwunderlich, dass Islamisten versuchen, jene „Fatwa“, also das Todesurteil zu vollstrecken, das ihre Führer gegen die Karikaturisten der Jyllands-Posten verhängt haben. Bezeichnend ist es jedoch, dass es einem von ihnen beinahe gelungen wäre: Es ist zumindest mittelbar auch die Folge des Verrats, den die europäische Öffentlichkeit an Westergaard und seinen Kollegen verübt haben – nämlich Verständnis für den Furor der Islamisten zu bekunden, für ihre Morddrohungen gegen die Karikaturisten und für ihre Angriffe auf dänische Bürger und Botschaften, bei denen 2005 bis zu 100 Menschen ums Leben kamen.

Was in den 1980er Jahren bei der Fatwa gegen den Schriftsteller Salman Rushdie noch selbstverständlich schien – dass man dem Opfer der islamistischen Drohungen Solidarität entgegenbringt und Schutz gewährt – blieb im Falle der Mohammed-Karikaturen wenigen Politikern und Intellektuellen vorbehalten. Während der im doppelten Sinne des Wortes deutsche Groß-Intellektuelle Günter Grass die Ausschreitungen als „fundamentalistische Antwort auf eine fundamentalistische Tat“ rechtfertigte, verteidigte die Ex-Muslimin Ayaan Hirsi Ali damals „the right to offend“ gegen eine „Religionsfreiheit“, die sich als Freiheit versteht, alle mit dem Tode zu bedrohen, die den eigenen Vorstellungen widersprechen.

Anlässlich des gescheiterten Attentats erklären wir unsere Solidarität mit Westergaard und seinen Kollegen und veröffentlichen an dieser Stelle die Karikatur Westergaards – nicht weil wir sie für besonders gelungen oder treffend hielten, sondern weil wir im Sinne Hirsi Alis das Recht, den religiösen Glauben in Frage zu stellen, als ein Recht freier Menschen verteidigen wollen. Gegen jene Gläubigen, die darauf mit Gewalt antworten, genauso wie gegen jene Haltung, die es aus Angst vor dieser Gewalt oder aus Opportunismus verbieten will.

[a:ka] göttingen, im januar 2010

Zum Rückzug

Aus gegebenem Anlass ergänzt das [a:ka] seine Rückzugserklärung zur Demo gegen die B5.

Von verschiedenen Stellen wurden wir auf eine mangelhafte Informationslage bezüglich der Hamburger Verhältnisse aufmerksam gemacht. Das [a:ka] wäre anscheinend Gerüchten aus Berlin aufgesessen, schließlich hätten einige der Verfasser des Aufrufes zur besagten Demo selbst Anzeigen bei der Polizei gegen prügelnde Antisemiten gestellt.

So sehr nun der Akt der Anzeige zu begrüßen ist, so sehr muss leider auch festgestellt werden, dass das Bündnis gegen Hamburger Unzumutbarkeiten ihn nicht nur nicht erwähnt. Indem es den Gewaltverzicht unter Linken einfordert, hält es außerdem am Bezug auf diese als primäres Vermittlungsorgan fest und entzieht somit den Personen, die sich der undankbaren Aufgabe gestellt haben und zur Polizei gegangen sind, die Solidarität.
Das wird dadurch, dass genau diese Personen selbst den Entsprechenden Aufruf verfasst haben, keinen Deut besser – dem individuell Richtigen wird politisch Falsches entgegen gesetzt; ob in Personalunion oder nicht, ist da irrelevant.

Dieser Vorfall wird nicht der letzte Ausraster gewaltbereiter linker Antisemiten gewesen sein. Die Linke selbst steht diesem Phänomen mit typischer Ambivalenz gegenüber; wer etwas ändern könnte, will es nicht, und wer es will, der kann nicht. Aus diesem Zustand Konsequenzen zu ziehen, ist nicht zuletzt auch eine Schuldigkeit gegenüber den noch kommenden Opfern. Ein Deckmäntelchen über den Skandal in Form einer Demo derer, die es besser wissen wollen, aber nichts tun können, ist dafür ungeeignet.

Rückzugserklärung

Am 25. Oktober haben linke Antisemiten der Gruppen Sozialistische Linke (SoL) und Tierrechtsaktion Nord (TAN) aus der B5 in Hamburg eine Aufführung des Films „Warum Israel“ von Claude Lanzmann mit Gewalt verhindert; am 13. Dezember findet eine Demonstration gegen die Angreifer statt. Den Aufruf zu dieser Demo haben wir spontan unterzeichnet. Die Redaktion Bahamas hat eben diesen Aufruf nun einer heftigen Kritik unterzogen und rief in einem „dringenden Appell an unsere Freunde“ dazu auf: „Zieht Eure leichtfertig gegebene Unterschrift öffentlich zurück!“ Das [a:ka] folgt auch diesem Aufruf und zieht hiermit die Unterstützung für den Aufruf „Antisemitische Schläger unmöglich machen – Auch Linke!“ zurück.

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