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Archiv für Juli 2012

„Keine Bühne gegen Israel?“ – Vom Scheitern einer Kampagne

Im vergangenen Herbst mobilisierte das [a:ka] zu einer Kundgebung gegen ein Konzert des antizionistischen Musikers Gilad Atzmon beim Göttinger Jazzfestival – und scheiterte spektakulär in der öffentlichen Debatte, die sich dem Aufruf anschloss. Eine Reflexion der Kampagne trugen wir auf der Bahamas-Konferenz „Die Revolte der Enthemmten“ im Mai in Berlin vor. Hier der (redaktionall überarbeitete) Text unseres Vortrags:

Gegen den Antisemitismus kann man nicht argumentieren, weil er nicht satisfaktionsfähig ist: Jede sinnvolle Argumentation setzt einen Gegenstand voraus, der sich mit den Mitteln der Vernunft erschließen lässt; der Antisemitismus jedoch entzieht sich dem Zugriff der Vernunft, weil er seinem Unwesen nach nichts anderes ist als rationalisierter Wahn. Das ist die Erkenntnis hinter Woody Allens Bonmot, wonach in der Auseinandersetzung mit Antisemiten dem Essay der Baseballschläger vorzuziehen sei: Wo Argumente als Waffen stumpf sind, haben Waffen als Waffen die bessere Aussicht auf Erfolg – der Umgang Israels mit seinen Feinden ist dafür das beste Beispiel. Einen Nutzen für hiesige Verhältnisse liefert dieser Gedanke jedoch kaum, denn Gewalt taugt hierzulande maximal, ein paar Stiefelnazis in die Schranken zu weisen, sofern sie in Unterzahl sind. Gegen den Antisemitismus als Tendenz, im doppelten Sinne entsprungen aus Logik und Geschichte der modernen Vergesellschaftung, richten weder Argumente noch Baseballschläger etwas aus. Ein politisches Projekt, das Antisemitismus und Antizionismus praktisch entgegentreten will, kann deshalb unter gegebenen Umständen seinem Anspruch niemals gerecht werden: Es wird keine Mittel finden, seine Zwecke zu erreichen.
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