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Keine Bühne gegen Israel! – Redebeitrag des [a:ka] gegen das Atzmon-Konzert beim Jazzfestival

Das Atzmon-Konzert ist gelaufen; unsere Forderung nach einer Absage blieb (wie erwartet) ungehört. Auch unsere Kundgebung ist gelaufen – von Massenprotesten konnte keine Rede sein, aber um die 50 Leute kamen immerhin zusammen, um die Gäste des Jazzfestivals mit unserer Kritik zu konfrontieren. Neben uns und der Jüdischen Kultusgemeinde hatten am Ende auch der Arbeitskreis Antisemitismus, die Gruppe Gegenstrom und der Linken-Landtagsabgeordnete Patrick Humke zum Boykott aufgerufen. Im Folgenden dokumentieren wir den Redebeitrag, den wir auf der Kundgebung gehalten haben:

Liebe Freundinnen und Freunde,
werte Anwesende,

wir sind heute hier, um gegen die Einladung von Gilad Atzmon auf das Göttinger Jazzfestival zu protestieren. Es wäre schön, wenn man sagen könnte, dass es dabei nicht um die Musik des Herrn Atzmon ginge, aber dann wären Form und Ort unseres Protestes so auch nicht notwendig. Atzmon nutzt seine Bühne als Podium, seinen Auftritt als Medium, und wenn er kann, macht er ein Konzert auch zu einer politischen Veranstaltung. Das Weltbild, dass er dabei absondert, ist von Antisemitsmus nur insofern unterscheidbar, als Atzmon stets deutlich zu machen sucht, dass alle antisemitischen Zuschreibungen an die Juden auf den jüdischen Charakter und den Staat Israel zutreffen, aber, seinem Vorbild folgend, individuelle Juden damit auch aufhören können, diese Entsprechung zu leisten. Wen es interessiert, eine Sammlung von Zitaten dazu kursiert hier als Flyer. Wesentlicher Grund für diese Kundgebung ist weniger die Anwesenheit eines solchen Clowns für Antisemiten, als seine Einladung durch das Jazzfestival.

Die Unabhängigkeit der Musik generell, und die von der Politik im besonderen, ist zu wünschen und zu schützen. Es liegt damit eben in der Entscheidung jedes Musikers selbst, die Grenze zwischen Kunst und Politik zu überschreiten – und damit genau diese Unabhängigkeit aufzugeben. Es ist ein wohl ein Zeichen höherer Kunst, wenn sich diese Überschreitung aus dem Werk selbst ergibt. Atzmon allerdings schreit seine Überschreitung dieser Grenze insbesondere außerhalb der Bühne so laut heraus, wie er nur kann. Inwieweit Jazz deswegen wirklich sein Jihad ist, inwieweit seine Deklarationen sich in seiner Musik wiederfinden, sei hier dahingestellt.

Die Organisatoren des Jazzfestivals haben im Vorfeld dieser Veranstaltung erklärt, dass Atzmon als Musiker und nicht als Politiker eingeladen sei. Dies hat sie allerdings nicht davon abgehalten, seine politischen Ansichten in der Ankündigung deutlich hervorzuheben. Dort werden die Ausfälle Atzmons als „kontrovers“ gekennzeichnet, vom „Vorwurf des Antizionismus“ ist die Rede – als sei Atzmon nicht stolz auf seinen Antizionismus. Atzmon war anscheinend gerade als der „hochpolitische Musiker und Schriftsteller“ eingeladen, der die Trennung zwischen seiner Musik und seinem Weltbild nicht zulässt. Gutmütigerweise könnte man Atzmon unterstellen, wirklich keine Ahnung von den Nazis zu haben, die ihn auf [der Nazi-Nachrichtenplattform] Altermedia darum beneiden, das in Deutschland offen sagen zu können, was sie nicht sagen dürfen. Sicher ist der Grund für seine Äußerungen nicht die Symphatie für Nazis.

Man könnte einzelnen Mitgliedern des Jazzfestival-Vereins glauben, dass Sie die Postitionen Atzmons nicht teilen, aber naiverweise nicht für voll genommen haben. Doch auch dann bleibt die Tatsache, dass Atzmon hier nicht einfach ein Konzert aufführen wird. Ob mit oder ohne Ausführung seiner wirren Positionen ist sein Auftritt immer auch die Aussage, dass die Existenz Israels heute ein Verbrechen sei, und die Verbrechen des Nationalsozialismus nichts weiter als die Rechtfertigung dafür – ein Bild, das also Schuld auf Israel und die Juden zurückprojiziert und vielen Deutschen die ersehnte Befreiung von der Vergangenheit liefert. Dass dann nachher erklärt werden kann, man sei ja nur wegen der Musik dagewesen, ist ein Teil dieser Einladung an Antisemiten. Das bleibt unerträglich, unabhängig von Motivation und Bewusstsein der Akteure.

Wir fordern alle Anwesenden dazu auf, dieser Einladung heute nicht zu folgen und dem Konzert Atzmons fern zu bleiben. Wir fordern das Jazzfestival dazu auf, sich zu den Gründen für Ihre Einladung weitergehend zu äußern und seine Entscheidungsfindung transparent zu machen. Wir sind weiterhin bereit, unsere Kritik im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit Vertretern des Jazzfestivals zu diskutieren. Mit Atzmon selbst reden wir nicht.

Keine Bühne für Antizionismus und Antisemitismus!
Keine Bühne gegen Israel!